Gesellschaftswissenschaften

Den Menschen im Blick

Zu den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern gehören an der HTS:

Geschichte

Warum Geschichtsunterricht an der HTS?

Auf diese Frage gibt es viele Antworten:

  • Durch Geschichtsunterricht verstehen wir besser die Gegenwart.
  • Wir lernen Quellen (Medien, Texte, Karten, Statistiken, Bilder, Plakate, Fotos) zu analysieren.
  • Wir üben unsere Lese- und Sprachkompetenz durch Anwendung der Fachsprache.
  • Wir bekommen durch fundiertes Sachwissen ein Geschichtsbewusstsein, das uns in die Lage versetzt, Vorgänge zu beurteilen und zu bewerten.
  • Wir gewinnen und hinterfragen unsere Identität.
  • Wir erhalten Orientierung in Gegenwart und Zukunft.

In der Unter- und Mittelstufe lernen wir mit dem Lehrbuch Horizonte 1-4 (Westermann Verlag), in der Oberstufe mit dem Kursbuch Geschichte (Cornelsen-Verlag). Ausgangspunkt sind die Fachanforderungen Geschichte des Landes Schleswig-Holstein.
In der Unter- und Mittelstufe werden Tests (20 Min.) geschrieben, in der Oberstufe Klausuren (2 bzw. im Profilfach 4 Stunden). Bei Exkursionen und Austauschfahrten der HTS (Frankreich, Schweiz, Italien und Russland) werden auch geschichtliche Aspekte vermittelt.
In der Oberstufe besteht die Möglichkeit, Geschichte als Profilfach zu wählen. Damit wird mit Geschichte und anderen Fächern, wie z. B. WiPo, ein gesellschaftswissenschaftlicher Schwerpunkt (schriftliches Abiturfach) gesetzt.
Zusätzlich findet in jedem Jahr ein durch die Böttcher-Stiftung geförderter Geschichtswettbewerb statt, an dem die Oberstufenschüler*innen teilnehmen können.

Klasse/Phase Unterrichtsthemen
6 Steinzeit, Ägypten, Griechenland, Rom, Mittelalter
8 Renaissance, Absolutismus und Aufklärung, Französische Revolution, Restauration und Revolution, Industrialisierung und Soziale Frage
9 Deutsches Kaiserreich, Imperialismus und Erster Weltkrieg, Der Aufstieg der USA und der Sowjetunion zu Weltmächten, Weimarer Republik
10 Nationalsozialismus, Zweiter Weltkrieg, Ost-West-Konflikt, Die Welt nach 1945, Deutschland – Von der Teilung zur Wiedervereinigung
11 (Einführungsphase) Vergangenheit und Gegenwart – Lernen aus der Geschichte?
Begegnungen von Kulturen – Konfrontation, Abgrenzung oder Integration?
Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft – Kontinuitäten und Brüche
12 (Qualifikationsphase 1) Die Menschenrechte aus universal-historischer Sicht
Nationale Identitäten seit dem 19. Jahrhundert: Realität oder Konstruktion?
13 (Qualifikationsphase 2) Diktatur und Demokratie im Zeitalter der Extreme
Dauerhafter Friede – eine Utopie? Friedensschlüsse und Lösungsversuche internationaler Konflikte

Fachvorsitz: Holger Kalmus

Geografie

Und immer wieder „Stadt, Land, Fluss“...!

Wie oft hören wir als Geografie-Lehrkräfte diese Aussage, wenn es darum geht, was im Unterricht dieses gesellschaftswissenschaftlichen Faches eigentlich so passiert. Und ich antworte: „Jawohl, genau das behandeln wir in den Unterrichtsstunden..., auch wenn die topografischen Kenntnisse von Städten, Ländern und Flüssen nur einen kleinen, aber notwendigen Teil der Geografie darstellen.“
Ein Beispiel aus der 10. Klasse: Wenn man die überproportionale Erwärmung der Arktis im Zusammenhang mit dem Klimawandel verstehen möchte, kommt man nicht ohne die Kenntnisse über die Örtlichkeiten aus. Das sind unter anderem die Permafrostböden in Sibirien, die Meeresströmungen im Bereich der Arktis und das grönländische Festlandeis.

An diesem Beispiel lässt sich eine weitere Besonderheit der Geografie festhalten:
Das Alleinstellungsmerkmal im Fächerkanon stellt die Verknüpfung von naturwissenschaftlichen Grundlagen (Stoffkreisläufe im Permafrostboden) und menschlichem Handeln (Verbrennung fossiler Brennstoffe) in einem bestimmten Raum (Arktis) dar. Dadurch „räubert“ die Geographie inhaltlich in vielen anderen Unterrichtsfächern ohne deren fachliche Tiefe erlangen zu können, kann aber dafür von Natur aus eine Brücke zwischen den einzelnen Wissensgebieten der Fächer herstellen. Diese Vorgehensweise ist sehr wertvoll und zwingend notwendig, um die aktuellen Themen unserer Zeit behandeln zu können und Antworten auf die gesellschaftlichen Fragen von heute zu finden.
Das ist jetzt sehr allgemein formuliert. Konkret könnte das im Unterricht der 5. Klasse bedeuten, dass Schüler*innen sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ beschäftigen und dabei untersuchen müssen, wie ein Landwirt seine Flächen bewirtschaften muss, damit auch seine Nachkommen noch die Möglichkeit haben, dort ihren Lebenserwerb zu bestreiten. Dabei arbeiten die Schüler*innen u.a. mit Tabellen, Fotos, Texten und Diagrammen. Egal ob analog oder digital sind vor allem auch Karten ein wichtiges Arbeitsmittel in unserem Unterricht. Besonders anregend sind bei dem Konzept „Öffnung von Schule“ die fachbezogenen Exkursionen in allen Jahrgängen.

Das Beste wäre natürlich, selbst auf lange Entdeckungsreisen zu gehen, so wie es z.B. Marco Polo, Christoph Kolumbus oder James Cook praktiziert haben. Auch wenn es diese klassischen Entdeckungsreisen nicht mehr gibt, zu entdecken gibt es auf der Erde noch genug und das Fach Geografie möchte dabei behilflich sein.

Fachvorsitz: Helge Raddatz

Wirtschaft/Politik (WiPo)

Diskriminierung, Gentrifizierung, Radikalisierung, Terrorismus, Sexismus, Rassismus …

… wer verstehen möchte, warum und wie sich unsere Gesellschaft mit den relevanten Themen unseres Alltags kontrovers auseinandersetzt, kommt nicht um WiPo herum. Aktualität und Lebensalltag treffen sich genau hier. Wer etwas verändern will, der muss mitreden können, und wer mitreden will, braucht politische und ökonomische Bildung.
Über die gesamtgesellschaftlichen Aspekte und die politischen Mechanismen von Demokratie, Diktatur und weiteren Ordnungsmodellen, hin zur Betriebs- und Volkswirtschaft und zu internationalen Beziehungsgeflechten, das sind die Themen, die wir im Unterricht behandeln werden. Das Ziel ist die allgemeine und aufgeklärte Mündigkeit.
Der Schüler muss - im Sinne des Beutelsbacher Konsens' - in die Lage versetzt werden, eine politische Situation und seine eigene Interessenlage zu analysieren sowie nach Mitteln und Wegen zu suchen, die vorgefundene politische Lage im Sinne seiner Interessen zu beeinflussen. Auf dem Weg dorthin wird das, was in der Wissenschaft und in der Politik kontrovers ist, auch im Unterricht kontrovers diskutiert. Schließlich wird dadurch ein selbstständiges Urteil des Schülers und die freie Selbstbestimmung erreicht.

„SAPERE AUDE! - Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Immanuel Kant)*

Fachvorsitz: Benjamin Römer

Religion

In den letzten Jahrzehnten ist die Präsenz unterschiedlicher religiöser und weltanschaulicher Orientierungen dramatisch angewachsen. Wie nie zuvor leben Menschen heute auf engstem Raum mit unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen, unterschiedlichen ethnischen Herkünften, unterschiedlichen moralischen Orientierungen und Lebensstilen zusammen. Wir haben, so könnte man den Klagen über den angeblichen Wertefall entgegnen, nicht zu wenig, sondern zu viele Werte. Daraus erwächst ein Gefühl grundlegender Orientierungsunsicherheit. Religion, so scheint es, hat ihre Monopolstellung im Hinblick darauf, eine vereinheitlichende gesellschaftliche Kraft darzustellen, eingebüßt. Dennoch ist Religion aktuell wie nie, indem sie in den einzelnen Teilsystemen gefragt ist: in Politik, Ethik, Ökonomie, Ästhetik und nicht zuletzt in der Pädagogik.

Der Religionsunterricht ist begründet in der Ethik der Achtsamkeit aller Menschen allen Menschen gegenüber. Er eröffnet den Raum dafür, unterschiedliche Perspektiven religiöser Weltdeutung wahrzunehmen und sich mit eben diesen Unterschieden auseinanderzusetzen, um u. U. auch Gemeinsamkeiten zu entdecken. Der Religionsunterricht bietet damit auch den Raum dafür, die eigenen Wurzeln zu erkennen, sie in der Gegenwart als Teil der eigenen Identität zu erfahren, um eine hoffnungsvolle Zukunft zu denken und zu entwickeln.

Mit einem Wort: Religionsunterricht lohnt sich!

Fachvorsitz: Gabriela Muhl

Philosophie
Die Durchbrechung der Welt: Französischer Holzschnitt von 1888 im Stil von 1520.

Das Fach Philosophie wird an der Hermann-Tast-Schule sowohl in der Sekundarstufe I (in den Jahrgangsstufen 5-7) als auch in der Oberstufe angeboten.

„Was ist Philosophie?“, werde ich oft gefragt, wenn ich erzähle, dass ich Philosophielehrer bin.
Das Wort stammt aus dem antiken Griechenland und bedeutet „Liebe zur Weisheit“, ein Philosoph ist dementsprechend ein Freund der Weisheit, jemand, der nach Weisheit strebt. Was aber heißt das?
„Durch das Staunen haben die Menschen jetzt wie auch zuerst zu philosophieren begonnen“, meinte der griechische Philosoph Platon. Aus diesem Staunen heraus entstehen zunächst viele Fragen und die versuchen wir zu beantworten. Der berühmte Philosoph Immanuel Kant hat einmal vier grundlegende Fragen der Philosophie formuliert, die eine gute Orientierung bieten für die Themen, mit denen wir uns im Philosophieunterricht beschäftigen:

Was kann ich wissen?
Das ist die Frage nach unserer Erkenntnis. Woher weiß ich, dass die Außenwelt um mich herum tatsächlich existiert? Oder gehört sie vielleicht zu einem langen Traum, aus dem ich eines Tages erwache? Oder kann ich herausfinden, dass die Außenwelt auch so existiert, wie ich sie wahrnehme oder täuschen mich meine Sinne unentwegt? Gibt es trotz dieser Unsicherheiten eine Gewissheit, die unumstößlich ist, etwas, das ich ganz genau wissen kann? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Erkenntnistheorie und es wird sich zeigen, dass es gar nicht so einfach ist, diese Fragen eindeutig zu beantworten.

Was soll ich tun?
Das ist die Frage der Ethik – der Moralphilosophie. Hier denken wir über das richtige oder auch das gute Handeln nach. Darf ich lügen? Muss ich vielleicht manchmal sogar lügen, etwa, um jemanden zu retten? Ich soll nicht töten, aber darf ich in Notwehr einen Verbrecher töten, wenn ich dadurch ganz vielen Menschen das Leben retten kann? Töten wir indirekt nicht jeden Tag, wenn wir Fleisch essen? Warum zerstören wir unseren Planeten, obwohl wir gleichzeitig wollen, dass unsere Enkelkinder auf diesem Planeten noch ein gutes Leben führen können? Warum werden Menschen diskriminiert, obwohl die meisten von uns davon überzeugt sind, dass alle Menschen gleich sind? Sind alle Menschen gleich? Mit solchen Fragen beschäftigt sich die Ethik, und es wird sich herausstellen, dass es keineswegs immer nur „Ansichtssache“ ist, wie wir diese Fragen beantworten, sondern dass man gute Gründe für seine moralischen Urteile finden kann.

Was darf ich hoffen?
Das ist die Frage der Metaphysik, diese Disziplin der Philosophie beschäftigt sich mit dem, was „meta“, hinter der Physik, der Natur, liegt, also mit dem Übernatürlichen. Hat der Mensch eine unsterbliche Seele? Was passiert nach dem Tod? Was war vor unserer Geburt? Gibt es Gott? Welchen Einfluss hat die Gottesvorstellung auf unser Leben? Wir werden feststellen, dass dies Fragen sind, die wir nicht abweisen können, weil es in der Natur des Menschen liegt, diese Fragen zu stellen, dass es aber auch nicht möglich sein wird, diese Fragen endgültig zu beantworten.

All diese Fragen, so Kant, münden in eine letztendliche: Was ist der Mensch?
Das ist die Frage der Anthropologie, der Wissenschaft vom Menschen. Ist der Mensch ein Tier oder ein ganz eigenartiges Wesen? Ist der Mensch ein mangelhaftes Tier oder ein ganz besonderes Tier, das allen anderen überlegen ist? Ist es seine außerordentliche Intelligenz, die den Menschen zum Menschen macht? Wird es irgendwann Wesen geben, die noch viel intelligenter sind als wir? Sind intelligente Roboter Wesen, die unseren Respekt verdienen? Kommt ihnen eine Würde zu, die wir achten müssen? Wir werden sehen, dass es für die anderen Disziplinen sehr bedeutsam ist, wie wir diese Fragen beantworten. Wenn wir zum Beispiel der Meinung sind, dass der Mensch ein rein materielles Wesen ist, werden wir die Frage nach einer unsterblichen Seele verneinen.

Viele Fragen der Philosophie lassen sich nur schwer, manche auch gar nicht beantworten, sie münden oft in eine Aporie – in eine Unmöglichkeit, das philosophische Problem zu lösen. Aber das macht nichts, denn in der Kontemplation – in der betrachtenden Lebensweise - kommen wir der Weisheit ein ganzes Stück näher und darin liegt laut Aristoteles das höchste Glück des Menschen.

Fachvorsitz: Nino Moritz